Die Marktwirtschaft ist ein Wirtschaftssystem, das auf der Grundlage von Angebot, Nachfrage und Arbeitsteilung basiert. Bedeutende Elemente sind zum Beispiel die Vertragsfreiheit, die Wettbewerbssituation und das Eigentumsrecht. Dieses Wirtschaftssystem reguliert sich im Grunde durch Angebot und Nachfrage selbst. Es gibt also keine zentrale Stelle, die das System regelt. Ein Merkmal ist, dass jedes Mitglied dieser Wirtschaftsordnung für seine Leistung eine Gegenleistung erhält. Es gibt drei Formen der Marktwirtschaft: die freie Marktwirtschaft, die soziale Marktwirtschaft und die sozialistische Marktwirtschaft. In Deutschland leben die Bürger seit 1949 in einer sozialen Marktwirtschaft.
Entstehen und Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland
Das erste Ziel nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Wiederaufbau der Wirtschaft. Um den Bedarf an Kleidung, Lebensmittel, Heizmaterial und so weiter decken zu können, war der Gedanke an eine Lösung für dieses Problem, dass dies von einer zentralen Stelle organisiert und veranlasst wird. Auch sah man diese Möglichkeit als Notlösung an, doch niemand wusste, wie der Bedarf langfristig anders geregelt werden sollte. Die Militärverwaltung der britischen Besatzungszonen konnten diese sozialistischen Ideen folgen, doch die Amerikaner lehnten dies ab. General Lucius Clay war überzeugt, dass für einen Wiederaufbau Kredite notwendig würden. Doch würden die amerikanische Wirtschaft und der amerikanische Kongress keinem Kredit für eine sozialistisch geprägte Volkswirtschaft zustimmen. Somit war Clays Ziel, ein möglichst freies Wirtschaftssystem aufzubauen.
Ludwig Erhard
Die Anhänger einer freien Wirtschaftspolitik scharten sich um den damals parteilosen Wirtschaftsminister von Bayern: Ludwig Erhard, der im Jahre 1948 zum Verwaltungsdirektor der Bizone gewählt wurde. Erhard war für eine Wirtschafts-Liberalisierung und sah eine Währungsreform und die Hilfe eines Marshallplans dazu geeignet, um einen Aufschwung zu sichern. Konsum und Herstellung sollten mehr Freiheiten bekommen und dazu gehörten der Wille, Leistung zu erbringen und die Fähigkeit zum Wettbewerb. Erhard trug also zur Währungsreform bei und so erhielt Ende Juni 1948 jeder Bürger der Westzone vierzig Deutsche Mark und ein paar Wochen später noch mal zwanzig Deutsche Mark. Damit wurde die Wirtschaft angekurbelt und nur einige Tage später konnten ausgestellte Waren in den Schaufenstern begutachtet werden.
Ludwig Erhard war auch für das Ende der bis dahin wirkenden Zwangsbewirtschaftung verantwortlich. Besatzungsmächte, Gewerkschaften und auch die meisten Bürgern waren zuerst sehr skeptisch, wenn es um Erhards Lösung der sozialen Marktwirtschaft ging.
Zunächst erfüllten sich auch nicht all seine Vorhersagen. Nachdem das Wirtschaftswachstum in die Höhe zu schnellen schien, verlangsamte sich dieser Prozess dann doch wieder. Gleichzeitig stiegen die Preise und die Zahl der Arbeitslosigkeit. Dieser Preisanstieg resultierte aus der Nachfrage, die Einzelhandel und Hersteller dazu veranlassten, ihre Preise zu erhöhen. Jetzt entstand eine Kluft zwischen denen, die sich diese Preise leisten konnten und denen, die damit nicht mehr Schritt halten konnten. Das schürte die Zweifel an das Wirtschaftssystem der Marktwirtschaft. Die Amerikaner sahen ihre Gelder schwinden und übten Druck auf den Bundeskanzler Konrad Adenauer aus. Erhard gab dem Druck nach, allerdings nicht in dem Umfang, wie es gewünscht war.
Wirtschaftswunder und Entwicklung des Lebensstils
Das Wirtschaftswunder setzte somit erst 1952 ein.
In den sechziger Jahren erfuhr die Wirtschaft durch die Produktion und den Vertrieb von Automobilen einen weiteren Aufschwung. Auch die 68er Bewegung führte zu einem neuen Lebensgefühl und damit auch zu einem veränderten Lebensstil. Außerdem wandelte sich das Kaufverhalten der Bürger nochmals durch das Fernsehgerät. Jetzt gab es Werbung verschiedener Produkte, die zu einem gewissen Lebensstandard zu gehören schienen und die Kaufkraft ankurbelte.
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